Einstieg für alle: Barrierefreiheit

Ob groß oder klein, im Rollstuhl, mit Gepäck, Rollator oder Kinderwagen – eine lebenswerte Stadt ist für alle Menschen nutzbar. Dies gilt im besonderen Maße auch für den öffentlichen Nahverkehr. Seine Verkehrsmittel und Haltestellen müssen so gestaltet werden, dass sie auch von Menschen mit Handicaps genutzt werden können. Dazu gehört ein möglichst stufen- und spaltfreier Einstieg für Gehbehinderte oder Menschen mit Kinderwagen bzw. Gepäck. Für Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit muss die Gestaltung ausreichend Kontraste aufweisen und eine Orientierung über akustische Signale möglich sein. Nach dem „Zwei-Sinne-Prinzip“ brauchen Hörbehinderte wiederum optische Signale und Anzeigen.

Frau im Elektrorollstuhl steigt aus Bus aus und braucht dafür eine ausklappbare Rampe. Daneben die gleiche Situation bei der Mainzer Straßenbahn nahezu ohne Stufe, daher wird keine Rampe benötigt.
Ausfahrt mit dem E-Rollstuhl beim Bus und bei der Straßenbahn in Mainz (Fotos: Bürger Pro Citybahn)

„Der Nahverkehrsplan hat die Belange der in ihrer Mobilität oder sensorisch eingeschränkten Menschen mit dem Ziel zu berücksichtigen, für die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs bis zum 1. Januar 2022 eine vollständige Barrierefreiheit zu erreichen.“

Personenbeförderungsgesetz PBefG § 8 (3)

Nur 25 Prozent aller Bushaltestellen in Wiesbaden sind barrierefrei

Zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention sollen bis zum Stichtag 1. Januar 2022 alle Haltestellen in Deutschland barrierefrei ausgebaut sein. An vielen Orte wird dieses Ziel aber nicht erreicht, entweder wurde dort zu spät mit dem sukzessiven Ausbau der Haltestellen begonnen oder die Planungskapazitäten und Finanzmittel reichen nicht für die vielen Haltestellen. In Wiesbaden sind bislang nur etwa 25 Prozent der rund 880 Bushaltestellen ausgebaut 1) Stolperfalle Gehweg – in: Wiesbadener Kurier vom 21.01.2019. Nur wenige davon erfüllen alle aktuellen Anforderungen von „Hessen Mobil“ – der Behörde die über die Vergabe von Fördermitteln für den Haltestellenausbau entscheidet.

Barrierefrei ausgebaute Haltestelle mit erhöhten Bereich und Leitstreifen für Sehbehinderte. Die Einstiege des Busses liegen höher und es besteht ein deutlicher Spalt zwischen Bordstein und Bus.
Auch bei einem mustergültigen, barrierefreien Ausbau bleiben beim Bus Spalt und Stufe als Hindernis – hier an der Haltestelle Kostheim Luisenstraße. Die Busse der ESWE können sich zusätzlich noch neigen, was Hindernis zwar verringert – aber nicht beseitigt. (Foto: Bürger Pro Citybahn)

Selbst wenn Bushaltestellen mit erhöhten Bordsteinkanten und Leitstreifen für Sehbehinderte versehen sind, ist ein bequemer Ein- und Ausstieg nicht immer selbstverständlich. Denn es kommt darauf an, ob das Buspersonal auch dicht genug an den Bordstein heran fährt und an der richtigen Position hält. Behindern beispielsweise haltende oder falsch parkende Autos die Einfahrt in die Haltestelle ist dies oft nicht möglich. Manchmal erschwert auch die Lage der Haltestelle das dichte Heranfahren – beispielsweise wenn Busstopps direkt hinter einer Abbiegung oder in einer Busbucht liegen. Rollstuhlfahrer sind also selbst an barrierefreien Haltestellen meist auf Klapprampen angewiesen.

Junger Mann im Rollstuhl, eingezwängt zwischen Kinderwagen im Mehrzweckbereich eines Busses
Stehplätze, Kinderwagen, Rollstuhl – oft reicht die Mehrzweckfläche im Bus nicht aus
Rollifahrer_Bus_Foto_Emanuel_Droneberger_Holding_Graz.jpg flickr photo by holding graz shared under a Creative Commons (BY-NC) license )

Die Citybahn: 100 Prozent barrierefrei und bequem

Mehr Platz für Kinderwagen, Rollstuhl und Gepäck: Die Frankfurter Straßenbahnwagen (Typ S) haben an beiden Enden große Mehrzweckabteile (Foto: Bürger Pro Citybahn)

Die Citybahn macht den Fahrgästen, ob mit Rollstuhl, Rollator, Kinderwagen oder Koffer, den Zustieg von Anfang an leicht – sie ist zu 100 Prozent barrierefrei. Da alle Haltestellen in Wiesbaden (und später auch in Richtung Bad Schwalbach) neu gebaut werden, erfüllen sie die neuesten Richtlinien. Die Bahnsteighöhe passt optimal zur Bodenhöhe der Straßenbahnen. Statt einzusteigen, können die Wagen bequem ebenerdig betreten oder mit Rollstuhl oder Rollator berollt werden. Dank der Schienenführung halten die Straßenbahnwagen immer im gleichen, dichten Abstand zur Bahnsteigkante. Dadurch ist ein Einfahren mit Rollstuhl oder Rollator ohne fremde Hilfe möglich. Das größere Platzangebot der Straßenbahn bietet ausreichend Raum für Kinderwagen, Rollstuhl, Rollator, Einkäufe oder Reisegepäck. Ohne Geschaukel, Vibrationen oder plötzliche Ausweichmanöver ist die Fahrt in der Straßenbahn ruhiger und angenehmer als im Bus.

Hinweis: Möglicherweise sind ein bzw. zwei Haltestellen in Biebrich nicht komplett barrierefrei. Hintergrund ist hier, dass im Bereich der Bahnsteige Garagen-/Hofeinfahrten liegen, die weiter befahrbar sein sollen. In dem Bereich würde der Bahnsteig folglich abgesenkt, der Einstieg dann nicht mehr niveaugleich. Ob und wo das realisiert wird, hängt von der noch nicht final diskutierten, konkreten Lage der Haltestellen in Biebrich ab.

Von diesen Vorteilen profitieren wir alle – aus Bequemlichkeit oder Notwendigkeit. Unsere Gesellschaft wird immer älter und unser Leben kann sich schnell ändern – und sei es nur ein Beinbruch der uns zeitweise einschränkt. Selbst Menschen, die heute den öffentlichen Nahverkehr nicht nutzen, sollte das Thema Barrierefreiheit daher nicht egal sein.

Eintreten statt einsteigen: Bei neu gebauten Straßenbahnstrecken passen Bahnsteig und Fahrzeug optimal zueinander – hier bei der 2017 eröffneten Straßenbahn in Luxemburg (Foto: Bürger Pro Citybahn)

Sehen Sie selbst: Barrierefreie Straßenbahn am Beispiel Mulhouse (Frankreich)

Moderne Straßenbahnsysteme machen den Einstieg für alle Menschen traumwandlerisch einfach. Das Video zeigt dies am Beispiel der französischen Stadt Mulhouse (Regiotram und städtische Straßenbahn)

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Die Planung der CityBahn fließt – das heißt, dass sich Details, Rahmenbedingungen und Erkenntnisse ändern können. Auch sind wir in Recherche und Aufarbeitung natürlich nicht vor Fehlern gefeit. Wir arbeiten die neuen Erkenntnisse in die bestehenden Artikel ein – um dennoch transparent zu bleiben, findet ihr hier eine Übersicht über die Änderungen dieses Artikels.

  • 17. März 2019: Die Ergänzung der eventuell nicht komplett barrierefreien Haltestelle im Bereich Adolf-Todt-Straße wurde im Nachgang zur Infoveranstaltung in Biebrich ergänzt.

Quellen   [ + ]

1. Stolperfalle Gehweg – in: Wiesbadener Kurier vom 21.01.2019

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