18.12. Tieferlegen statt hochstapeln – Die Niederflurtechnik rettet eine Straßenbahnstrecke

Eigentlich schien das Ende der klassischen Straßenbahn in Dortmund besiegelt zu sein, wurden die Strecken doch seit den 70er Jahren nach und nach zu einer – im damaligen Sinne – modernen Hochflurstadtbahn ausgebaut. Für die 17 km lange Ost-West-Strecke hätte dies massive bauliche Eingriffe und wahrscheinlich auch eine Streckenkürzung bedeutet. Denn während die anderen Stadtbahnlinien größtenteils entlang breiter Ausfallstraßen oder auf Überlandstrecken verlaufen, werden hier teilweise dörfliche Ortskerne durchfahren, in denen 1m hohe Bahnsteige ästhetisch fragwürdig sind oder schlicht aus Platzgründen nicht realisiert werden können.

Schneefall in Wickede: Engstellen wie hier in Wickede wären mit dem Vollausbau zur Hochflurstadtbahn sicher nicht kompatibel gewesen. (Bild verwendet mit Zustimmung des Urhebers: Drehscheibe-online)

Deshalb war es ein Glücksfall für diese Strecke, dass parallel zum Stadtbahnbau die Entwicklung der Niederflurstraßenbahn stattfand und die Entscheidung fiel, diese Technik hier erstmals in Dortmund zu nutzen. Mit den jetzt eingesetzten Bahnen vom Typ Bombardier Flexcity Classic reichen 35cm Bahnsteighöhe für einen stufenlosen Einstieg. Das ermöglichte es zum einen, barrierefreie Haltestellen städtebaulich verträglich umzusetzen. Zum anderen entfiel die Notwendigkeit, die Gesamtstrecke in einem Rutsch umzubauen, weil Haltestellen ohne Bahnsteig (Einstieg vom Straßenniveau über eine Klappstufe) übergangsweise weiter genutzt werden können.

Niederflurbahnsteige, wie hier an der Haltestelle Knappschaftskrankenhaus, ermöglichen Barrierefreiheit mit moderaten baulichen Eingriffen. (Joehawkins, Haltestelle Knappschaftskrankenhaus – 2, CC BY-SA 4.0)

So hat am Ende der technische Fortschritt im Fahrzeugbau das Überleben eines Stücks Straßenbahngeschichte im Ruhrgebiet gesichert. (/ab)

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